Historie

Der erste Weltkrieg war nach vier Jahren des Schreckens und der Verzweiflung endlich zu Ende. Die Bevölkerung konnte sich nach den Wirren des Krieges auf ein geregeltes Leben einstellen und auch dem Freizeitsport ein wenig huldigen. Das Leben in den ersten Nachkriegsjahren war sehr hart. So war es nur zu verständlich, dass viele Einwohner wünschten, sich in einer Gruppe, einem Verein – auf kulturellen und sportlichem Gebiet – gemeinschaftlich zu betätigen, um einen Ausgleich für den tristen Alltag zu haben und um sich an etwas Abwechslung in einer sparsam angelegten Lebensweise zu erfreuen.

Diese Gründe und Bestrebungen führten unter anderem im Jahre 1920 zur Gründung des Fußballvereins Möhringen. Bevor die Gründung möglich wurde, mussten Leute da sein, die sich für den neuartigen Sport Fußball verstärkt engagierten. Gründer des Vereins waren in erster Linie die Spieler selber, die eine Mannschaft bildeten und die namentlich auf einem Bild von 1920 aufgeführt sind. Zum ersten Vorstand wurde der damalige Vereinswirt des „Löwen“, Albert Frauenschuh, gewählt. Sein Stellvertreter war Karl Kirner von der Kronenbrauerei Möhringen. Das Vereinslokal war somit der „Löwen“ und der Sportplatz befand sich im Anger – eine gute Kombination. Andere Funktionen wurden nicht extra herausgestellt und die anfallenden Arbeiten wurden von allen Mitgliedern erledigt.

Zum Sportplatz sei noch erwähnt, dass die Gemeinde unter dem damaligen Bürgermeister Karl Beck sich endlich der in Möhringen neuen Sportart aufgeschlossen zeigte und das Gelände im Anger zur Verfügung stellte. [..] Der Verein wurde nun beim Südbadischen Fußballverband angemeldet und man war nun berechtigt und verpflichtet, an Verbandsspielen teilzunehmen.

Damit die „restlichen“ Bürger der Stadt Möhringen auch etwas davon erfuhren, was sich in Sachen Fußballspielen im Städtle tat, wurde im Juli 1920 ein Turnier organisiert. An diesem Turnier beteiligten sich 8 Mannschaften, wobei eine sogar aus Stuttgart-Feuerbach angereist kam. Mit einem großen Festzug unter Teilnahme der Stadtkapelle wurde das Turnier eingeleitet. Am Festzug nahmen alle Mannschaften teil und die positive Reaktion der breiteren Bevölkerung zeigte sich auch darin, dass viele Mädchen in weißen Kleidern am Umzug mitmachten und die ernste Angelegenheit auf nette Art auflockerten. Der Umzug bewegte sich durch Möhringen und endete auf dem Sportplatz „Anger“, der nun endlich, nach langen Verhandlungen, von der Stadt zur Verfügung gestellt wurde. Zu den Turnierspielen kamen dann auch „mindestens“ 80 Zuschauer, die auf die Darbietungen der relativ jungen Sportart zum Teil sehr neugierig waren und sich vielleicht auch ein wenig belustigen wollten.

-aus der Festzeitschrift zum 75. Jubiläum, von Erwin Fastnacht-